Der Baupreisindex spielt in der Immobilienbewertung insbesondere im Sachwertverfahren eine wichtige Rolle. Vereinfacht gesagt wird dabei ermittelt, welche Kosten entstehen würden, ein vergleichbares Gebäude heute neu zu errichten.
Grundlage hierfür sind die sogenannten Normalherstellungskosten, die ursprünglich auf dem Preisniveau des Jahres 2010 basieren und über den Baupreisindex auf das aktuelle Baukostenniveau fortgeschrieben werden.
Die aktuellen Zahlen zeigen eindrucksvoll, wie stark die Baukosten in den vergangenen Jahren gestiegen sind: Gegenüber dem Jahr 2010 liegen die Kosten für den Neubau eines Wohngebäudes heute nahezu doppelt so hoch. Der entsprechende Baupreisindex ist seitdem um rund 98 % gestiegen.
Für die Immobilienbewertung bedeutet dies grundsätzlich, dass der rechnerische Gebäudewert – also der Substanzwert eines Hauses – heute höher ausfällt als noch vor einigen Jahren.
Wichtig ist jedoch: Ein steigender Baupreisindex führt nicht automatisch zu einem höheren Marktwert einer Immobilie. Denn letztlich entscheidet nicht die Höhe der Baukosten über den erzielbaren Kaufpreis, sondern die Nachfrage am Markt. Im Sachwertverfahren wird dies über die Marktanpassung anhand des Sachwertfaktors berücksichtigt. Ausschlaggebend bleibt die Frage, welchen Preis Käufer für eine Immobilie in einer bestimmten Lage, mit einem bestimmten Zustand und zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich bereit sind zu zahlen. Der Baupreisindex beeinflusst somit den rechnerischen Gebäudewert, während der tatsächliche Verkehrswert weiterhin maßgeblich vom Markt bestimmt wird.
Yannick Dykhuizen:
„Aus Gutachtersicht zeigt der aktuelle Anstieg des Baupreisindex vor allem eines: Die Kosten für die Errichtung eines vergleichbaren Gebäudes steigen kontinuierlich. Ob dadurch auch der Marktwert einer Bestandsimmobilie zunimmt, entscheidet jedoch nicht die Baukostenentwicklung allein, sondern vor allem Angebot und Nachfrage am lokalen Immobilienmarkt.“
